Nachtaufnahmen

Ausrüstung


Pflicht bei Nachtaufnahmen ist ein Stativ, da bei längeren Belichtungszeiten Verwacklungsgefahr besteht. Als Grenze gilt hier der Reziprokwert der verwendeten Brennweite, also z.B. bei einer Brennweite von f = 100 mm können Bilder noch bis zu einer Verschlusszeit von etwa 1/100 s aus der Hand geschossen werden ohne Verwacklungsunschärfen zu riskieren.
ungefährer Grenzwert für die Verwendung eines Stativs Bei langen Brennweiten (Teleobjektive) kann auch schon das Drücken des Auslösers oder der Druck der Hand auf der Kamera Unschärfe hervorrufen. Verstärkt kommt dies natürlich bei extremen Langzeitbelichtungen zum Tragen. Hier kann ein Fernauslöser helfen, der entweder drahtlos (Funk, Infrarot) oder direkt mit der Kamera verbunden ist. Wenn die Kamera keine Möglichkeit zur Fernauslösung bietet, hilft oft auch die Verwendung des Selbstauslösers.

Belichtungsdauer


thermisches Rauschen von Bildsensoren Bei längerer Belichtungszeit und/oder höheren Empfindlichkeiten kann man ein störendes Phänomen der Bildsensoren beobachten: thermisches Rauschen.
Der Grund dafür ist der Dunkelstrom der bei jeder Kamera über den Chip läuft. Je länger die Belichtungszeit, je höher die Temperatur und die Empfindlichkeit ist, desto mehr Strom fliesst und desto mehr wird die Messung verfälscht. Die Auswirkungen sieht man, wenn man z.B. bei geschlossener Objektivkappe eine Langzeitbelichtung vornimmt. Am Bild wird ein "Schleier" sichtbar, der sich aus zufällig verteilten blauen, grünen und roten Punkten zusammengesetzt. Bei Nachtaufnahmen ist das Rauschen vor allem in den dunkleren Bildbereichen verstärkt sichtbar. Aus diesem Grund lassen viele Digitalkamerahersteller keine allzu langen Belichtungszeiten zu, wie man es von der analogen Fotografie her kennt.
Will man das Rauschen unterdrücken bzw. sogar weitgehend vermeiden gibt es ein paar Möglichkeiten:
  1. Temperatur des CCD-Chips senken
    Im Winter wird man weniger Probleme mit Rauschen haben als an einem heißen Sommertag. Da man sich die gerade herrschende Temperatur jedoch nicht aussuchen kann (im Normalfall), kann man versuchen, die Aktivierung des CCD-Chips so kurz wie möglich zu halten, zB. durch Ausschalten des LCD-Monitors. Der Chip wird nicht dauernd ausgelesen und nur während der Aufnahme kann er sich etwas erwärmen. Bei Spiegelreflexkameras ist dies nicht notwendig (bzw. machbar), da der Bildsensor soundso nur während der Aufnahme bestromt wird.

  2. Herabsetzen der Lichtempfindlichkeit der Kamera
    Durch Wählen einer geringeren Empfindlichkeit wird auch das Rauschen vermindert. Also zB. auf ISO100 schalten, anstatt mit ISO200 oder ISO400 zu fotografieren. Meistens muss dafür in den manuellen Modus der Kamera gewechselt werden (der generell bei Nachtaufnahmen verwendet werden soll, da dieser mehr Einstellmöglichkeiten bietet). Durch die Herabsetzung der Empfindlichkeit erhöht sich zwar die Belichtungszeit, aber unter Verwendung des vorher erwähnten Stativs stellt das kein Problem dar.
    Eine Aufnahme von 4s bei ISO400 ist normalerweise stärker verrauscht als mit 16s bei ISO100!

  3. Unterbelichtung vermeiden
    Auch bei Unterbelichtung steigt das thermische Rauschen an, also daher keine negativen Werte bei der manuellen Belichtungskorrektur einstellen.

  4. Einschalten der Rauschunterdrückung
    Hat man keine Möglichkeit an der Empfindlichkeit zu drehen (oder möchte das nicht), kann man bei vielen digitalen Kameras die Rauschunterdrückung dazuschalten bzw. die Kamera nimmt sie automatisch bei längeren Belichtungszeiten und/oder höheren Empfindlichkeiten dazu. Je nach Kamera fällt das Ergebnis mehr oder weniger gut aus, normalerweise jedoch bringt diese Maßnahme einiges an Verbesserung. Feine Details im Bild könnten darunter jedoch etwas leiden, sofern sie auf einer Nachtaufnahme überhaupt vorhanden sind.

  5. Nachträgliches Herausrechnen am PC
    Wenn man das Rauschen am Bild schon hat und keine Möglichkeit besteht, die Aufnahme eventuell zu wiederholen, ist es möglich das Ganze auch nachträglich zu korrigieren. Es gibt verschiedene Programme, die mit einer Referenzaufnahme (etwa das vorher erwähnte Foto bei geschlossener Objektivkappe) das Rauschen und die HotPixel aus dem Bild herausrechnen können. Die einfachste Methode ist dabei die beiden Bilder Pixel für Pixel voneinander zu subtrahieren. Jedoch bringen die aufwendigeren Berechnungen auch qualitativ höherwertige Ergebnisse.

Weißabgleich


In der Nacht wird man fast ausschließlich Kunstlicht (Leuchtstoffröhre, Glühbirnen, Autoscheinwerfer,...) fotografieren, es ist daher ratsam ein paar Aufnahmen mit den verschiedenen Weißabgleichseinstellungen der Kamera zu machen. Falls die Kamera eine manuellen Weißabgleich unterstützt, diesen benutzen und mit ihn einer Graukarte (oder einem weißen Blatt Papier) einstellen. Darauf ist zu achten das die Karte die selben Lichtverhältnisse 'sieht' die auch das zu fotografierende Motiv beleuchten.

Sättigung und Kontrast


Mit Nachtaufnahmen haben manche Kameras ein Problem, da der Kamera-interne Belichtungsmesser (und die Bildverbesserungsfunktionen dazu) eigentlich auf 18% Grau kalibriert ist. In der Nacht jedoch wird die Automatik der Kamera manchmal getäuscht und eine automatische Einstellung von Kontrast und Sättigung kann unerwartete Bilder liefern.
Daher ist es in der Nacht empfehlenswert, die automatische Sättigung und den Konrast zu deaktivieren und wenn nötig diese erst nachträglich im Bildbearbeitungsprogramm einzustellen. Im Nachhinein die Fehler der Kameraautomatik zu korrigieren ist um ein vielfaches zeitaufwendiger!

Copyright © 2005 Jochen Oberreiter, foto.oberreiternet.at